Tattoos sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen, Altersgruppen und Lebenswelten tragen sie als persönlichen Körperschmuck. Mit ihrer wachsenden Beliebtheit steigt auch das Interesse am Beruf des Tätowierers.
Doch wie wird man eigentlich Tätowierer? Gibt es eine anerkannte Tattoo Ausbildung? Und welcher Weg eignet sich am besten, wenn Du professionell Tätowieren lernen möchtest?
In diesem Artikel stellen wir dir die drei häufigsten Möglichkeiten vor – mit ihren jeweiligen Chancen, Voraussetzungen und Herausforderungen.
Wer Tätowierer werden möchte, hat in Deutschland grundsätzlich drei Möglichkeiten:
1. das Lernen bei einem erfahrenen Mentor in einem Tattoo-Studio,
2. das selbstständige Erlernen des Tätowierens,
3. eine strukturierte digitale Tattoo Ausbildung.
Welcher Weg zu dir passt, hängt unter anderem von deinen Vorkenntnissen, deinen zeitlichen Möglichkeiten, deinem Wohnort und der Art ab, wie du am besten lernst.
DER BEGRIFF DES TÄTOWIERER
Der Beruf des Tätowierers ist in Deutschland kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Deshalb gibt es weder einen einheitlichen Lehrplan noch eine staatliche Abschlussprüfung, die festlegt, welche Kenntnisse eine Tattoo Ausbildung vermitteln muss.
Die Bezeichnung allein sagt daher wenig darüber aus, wie fundiert jemand ausgebildet wurde. Umso wichtiger sind nachvollziehbare Qualitätsmerkmale: fachliches Wissen, zeichnerische Fähigkeiten, sichere Arbeitsabläufe, ein verantwortungsvoller Umgang mit Hygiene sowie die Fähigkeit, theoretische Grundlagen in der Praxis anzuwenden.
Auch bei der Wahl eines Mentors oder Ausbildungsangebots solltest du genau hinschauen. Ein guter Tätowierer ist nicht automatisch ein guter Lehrer. Entscheidend ist, ob Wissen verständlich, strukturiert und nachvollziehbar vermittelt wird.
WELCHE VORAUSSETZUNGEN SOLLTEST DU MITBRINGEN?
Zeichnerische Grundlagen
Wenn du Tätowieren lernen möchtest, solltest du gerne und regelmäßig zeichnen oder illustrieren. Ein Studium oder eine gestalterische Ausbildung ist nicht zwingend erforderlich. Solide zeichnerische Grundlagen sind jedoch eine wichtige Voraussetzung.
Dazu gehören beispielsweise:
Für eine Bewerbung in einem Tattoo-Studio empfiehlt sich eine Mappe mit etwa 10 bis 15 ausgewählten Arbeiten. Zeige nicht einfach möglichst viele Zeichnungen, sondern Entwürfe, die deine Fähigkeiten und deine persönliche Stilrichtung erkennen lassen. Idealerweise eignen sich die Motive grundsätzlich auch als Tattoo.
Kenntnisse über Tattoo-Stile
Beschäftige dich frühzeitig mit unterschiedlichen Tattoo-Stilen. Dazu gehören beispielsweise Fineline, Blackwork, Realismus, Traditional, Neo Traditional, Lettering oder Illustrative.
Du musst dich zu Beginn noch nicht endgültig festlegen. Ein erkennbarer Schwerpunkt hilft einem Studio jedoch einzuschätzen, ob deine Arbeiten zum vorhandenen Team passen. Ein Studio, das überwiegend farbige Neo-Traditional-Tattoos umsetzt, ist beispielsweise nicht automatisch die beste Adresse für eine Spezialisierung auf fotorealistisches Black-and-Grey.
Geduld und regelmäßige Übung
Eine vollkommen ruhige Hand ist keine Voraussetzung, die du bereits am ersten Tag mitbringen musst. Gerade am Anfang sind Unsicherheit und Anspannung normal.
Kontrolle entsteht durch die richtige Körperhaltung, eine saubere Führung der Maschine und vor allem durch regelmäßiges Üben. Wichtiger als vermeintliches Naturtalent sind deshalb Geduld, Konzentration und die Bereitschaft, Arbeitsschritte häufig zu wiederholen.
Verantwortungsbewusstsein und Hygiene
Beim Tätowieren arbeitest du nicht nur mit Farben und Maschinen, sondern am Körper eines Menschen. Hygiene, Ordnung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Kundinnen und Kunden gehören deshalb zu den wichtigsten Grundlagen des Berufs.
Wer professionell Tätowieren lernen möchte, muss verstehen, wie Kreuzkontaminationen vermieden, Arbeitsplätze vorbereitet, Materialien sicher verwendet und hygienische Abläufe konsequent eingehalten werden. Diese Themen sind kein Zusatzwissen, sondern ein zentraler Bestandteil einer fundierten Tattoo Ausbildung.
Der traditionelle Weg führt über einen erfahrenen Tätowierer, der dich als Mentor begleitet. Häufig wird diese Form der Ausbildung auch als Apprenticeship oder Lehrzeit bezeichnet.
Wenn du diesen Weg gehen möchtest, suche gezielt nach Studios, deren Stil und Qualitätsanspruch zu deinen eigenen Zielen passen. Informiere dich zunächst, ob das Studio überhaupt Nachwuchs ausbildet. Für eine persönliche Vorstellung solltest du vorab einen Termin vereinbaren und eine sorgfältig zusammengestellte Mappe mitbringen.
Die Vorteile einer Ausbildung im Studio
Eine gute Ausbildung im Studio kann dir wertvolle Einblicke in den tatsächlichen Berufsalltag geben. Du erlebst nicht nur das Tätowieren selbst, sondern auch Beratungsgespräche, Terminplanung, Arbeitsplatzvorbereitung, Nachsorge und den Umgang mit Kundinnen und Kunden.
Außerdem kann ein erfahrener Mentor deine Arbeit direkt beobachten, Fehler erkennen und dir individuelles Feedback geben.
Die möglichen Herausforderungen
Qualitativ gute Ausbildungsplätze sind begrenzt und nicht in jeder Region verfügbar. Besonders außerhalb größerer Städte kann es schwierig sein, ein Studio zu finden, das fachlich zu deiner gewünschten Stilrichtung passt und gleichzeitig ausreichend Zeit für eine fundierte Begleitung hat.
Hinzu kommt, dass ein Mentor weiterhin Kundentermine wahrnehmen und ein Studio führen muss. Wie viel Zeit tatsächlich für Erklärungen, Übungen und persönliches Feedback bleibt, ist deshalb von Studio zu Studio sehr unterschiedlich.
Auch die finanziellen Vereinbarungen können stark variieren. Manche Studios verlangen eine monatliche Ausbildungsgebühr. Andere erwarten eine längere Bindung oder eine spätere Beteiligung an den Einnahmen. Teilweise wird zunächst ohne oder mit nur geringer Vergütung gearbeitet.
Lass dir deshalb vorab transparent erklären:
Zum Studioalltag gehören selbstverständlich auch Reinigung, Vorbereitung und organisatorische Aufgaben. Kritisch wird es jedoch, wenn solche Hilfstätigkeiten dauerhaft den größten Teil der Zeit einnehmen und keine klaren Lernziele oder regelmäßigen Unterrichtsphasen vorgesehen sind.
Eine klassische Tattoo Ausbildung kann sehr wertvoll sein – vorausgesetzt, Mentor, Ausbildungsstruktur und gegenseitige Erwartungen passen zusammen.
Viele angehende Tätowierer beginnen zunächst im Selbststudium. Häufig liegt das daran, dass kein geeigneter Ausbildungsplatz verfügbar ist oder die finanziellen und zeitlichen Anforderungen einer Studioausbildung nicht zur persönlichen Lebenssituation passen.
Auch ich habe mir zu Beginn viele Informationen selbst zusammengesucht. Dabei musste ich Zusammenhänge über einen langen Zeitraum hinweg durch eigene Versuche, Fehler und Erfahrungen verstehen.
Tätowieren im Alleingang zu lernen ist grundsätzlich möglich. Dieser Weg bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich.
Die Auswahl des richtigen Equipments
Gerade am Anfang ist es schwer einzuschätzen, welche Maschinen, Nadeln und Materialien tatsächlich sinnvoll sind. Dadurch werden häufig Produkte gekauft, die nicht zum eigenen Lernstand oder zur gewünschten Arbeitsweise passen.
Ohne eine fundierte Orientierung kann unnötig viel Geld in wechselndes Equipment fließen, obwohl die Ursache eines Problems möglicherweise gar nicht bei der Maschine oder der Nadel liegt.
Fehlendes Feedback
Beim selbstständigen Lernen fehlt häufig eine erfahrene Person, die Bewegungsabläufe und Ergebnisse objektiv beurteilt. Fehler können sich dadurch unbemerkt wiederholen und mit der Zeit zu festen Gewohnheiten werden.
Videos und einzelne Tipps aus dem Internet können hilfreich sein. Sie beantworten jedoch selten die Frage, warum eine bestimmte Technik funktioniert, wie verschiedene Faktoren zusammenwirken oder was in einer konkreten Situation verbessert werden sollte.
Viele Informationen, aber wenig Struktur
Zum Tätowieren gibt es heute mehr frei verfügbare Inhalte als je zuvor. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, verlässliche Informationen zu erkennen und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen.
Wer ohne klare Struktur beginnt, beschäftigt sich möglicherweise schon mit fortgeschrittenen Techniken, obwohl wichtige Grundlagen noch fehlen. Das kann zu Frust, unnötigen Ausgaben und deutlich langsameren Fortschritten führen.
Wenn ich heute noch einmal von vorne anfangen würde, würde ich deshalb von Beginn an auf einen klaren Lernplan und regelmäßiges Feedback achten. Dadurch hätte ich mir viel Zeit, Unsicherheit und Lehrgeld ersparen können.
IST EIN PRAKTIKUM ALS TATTOO-STUDIO MÖGLICH?
Die kurze und ehrliche Antwort lautet: Klassische Praktika sind in der Tattoo-Branche nicht üblich. Nach meiner persönlichen Erfahrung bieten schätzungsweise 99 Prozent der Tattoo-Studios weder Schülerpraktika noch freiwillige Praktika oder Hospitationen an.
Das hat vor allem praktische Gründe. Ein Praktikant bringt einem Studio zunächst kaum Entlastung. Stattdessen muss eine zusätzliche Person eingearbeitet, betreut und beaufsichtigt werden. Dafür fehlt im laufenden Studiobetrieb meist die Zeit. Tätowierer müssen sich auf ihre Kundentermine konzentrieren und gleichzeitig zahlreiche organisatorische Aufgaben erledigen, die mit der Selbstständigkeit und dem Betrieb eines Studios verbunden sind.
Auch die Vorstellung, einem Tätowierer während eines Praktikums einfach über die Schulter schauen zu können, lässt sich in der Praxis nur selten umsetzen. Eine Tattoo-Sitzung ist kein öffentlicher Workshop, sondern eine persönliche Behandlungssituation. Kundinnen und Kunden befinden sich teilweise in intimen oder unangenehmen Körperpositionen, führen private Gespräche und erwarten, dass ihre Privatsphäre respektiert wird. Zusätzliche Personen im Arbeitsbereich können außerdem die Konzentration und die hygienischen Abläufe beeinträchtigen.
Natürlich gehören Reinigung, Vorbereitung und organisatorische Aufgaben zum Studioalltag. Ein Praktikum, das ausschließlich aus Putzen, Kaffee kochen oder kleinen Hilfsarbeiten besteht, vermittelt jedoch kaum die Fähigkeiten, die du benötigst, um professionell Tätowieren zu lernen. Für das Studio entsteht dadurch zusätzlicher Betreuungsaufwand, ohne dass daraus ein entsprechender Mehrwert entsteht.
Dass Praktikumsplätze schwer zu finden sind, betrifft nicht nur die Tattoo-Branche. Business Insider berichtete bereits 2020, dass die Zahl der ausgeschriebenen Praktikumsstellen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent zurückgegangen war. Die Erhebung entstand zwar während der Corona-Pandemie und bezieht sich nicht speziell auf Tattoo-Studios, verdeutlicht aber, dass Unternehmen Praktikumsplätze häufig zuerst reduzieren, wenn der damit verbundene Aufwand den betrieblichen Nutzen übersteigt.
Wenn du Tätowierer werden möchtest, solltest du ein Praktikum daher nicht als regulären Einstieg in die Branche einplanen. Realistischer sind eine strukturierte Ausbildung bei einem Mentor, das selbstständige Lernen oder eine digitale Tattoo Ausbildung.
Wichtiger Hinweis: Omega Tattoo bietet keine Schülerpraktika, freiwilligen Praktika oder Hospitationen an. Von individuellen Praktikumsanfragen bitten wir daher abzusehen.
Als ich alleine angefangen habe tätowieren zu lernen, habe ich mir immer nur eine Möglichkeit gewünscht Schrittweise durch die komplexe Tattoo Welt geführt zu werden. Heute – 8 Jahre später habe ich diese Möglichkeit für Menschen wie dich geschaffen. Mach dir am besten selber ein Bild davon und schaue dir mein nachfolgendes Video an
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Eine gute Tattoo Ausbildung nimmt dir das Üben nicht ab. Sie kann dir jedoch zeigen, worauf es ankommt, welche Fehler du vermeiden kannst und wie du deine Fähigkeiten Schritt für Schritt aufbaust.
Die Tätowierer Akademie kann zu dir passen, wenn du:
In der folgenden Galerie findest du Arbeiten, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb ihrer ersten vier Wochen erstellt haben.